Vorbereitet auf die nächste Krise.
Sabine Zinn entwickelt synthetische Gesundheitsdaten
Prof. Dr. Sabine Zinn und ihr Team finden heraus, was wir von unserem Land über Krisen lernen können, wenn wir ihm jahrzehntelang zuhören?
Vor über 40 Jahren startete eine langangelegte Studie – genannt das Sozio-oekonomischen Panel (kurz SOEP). Die Studie begleitet Jahr für Jahr 30.000 Menschen durch ihr Leben. Sie dokumentiert Veränderungen in verschiedenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen, wie beispielsweise soziale Ungleichheit, Arbeit, Einkommen, Gesundheit, Lebenszufriedenheit, Familie, Bildung oder Migration.
Eines der Ziele des Sozio-oekonomischen Panels: die Entwicklung von Methoden zur Erstellung sogenannter synthetischer Daten für die Gesundheitsforschung und Politikberatung, erklärt Prof. Dr. Sabine Zinn, Leiterin des des Sozio-oekonomischen Panels am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung.
Dabei werden verschiedene Typen an Daten aus Umfragen, amtlichen Quellen oder Beobachtungen an der Bevölkerung miteinander verknüpft – zum Beispiel der Arbeitsplatz, die Anzahl der Krankheitstage, subjektive Empfindungen, die Region, Geschlecht, Alter, Bildungsstatus und vieles mehr. Dies geschieht auf Individualebene, so dass am Ende ein statistisches Abbild eines Menschen entsteht, das die Eigenschaften dieser Menschen zeigt und wie darlegt wie es sich über die Zeit hinweg entwickelt, auch in Krisenzeiten.
Dazu nutzt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung statistische Modelle und Verteilungen. Jedoch liegen die beobachtbaren Daten in der Vergangenheit. Nichts desto trotz können daraus Vorhersagen und Annahmen für die Zukunft abgeleitet werden.
Ein intelligentes Konzept: Das bedeutet, Vorhersagen werden aus echten, konkreten Daten zu abgeleitet.
Somit enthalten die Modelle nicht nur die Informationen was miteinander zusammenhängt, sondern auch in welchem Ausmaß sich Zusammenhänge beeinflussen. Damit können nun Krisenszenarien wie Pandemien beschrieben werden, oder?
Sabine Zinn verbindet zwei Aufgaben, die verschiedener nicht wirken können, aber in ihrer Arbeit untrennbar zusammenhängen: das Verstehen gesellschaftlicher Realität durch Daten - und die Vorbereitung auf die nächste Krise.
Die Daten liegen vor
Die letzte Pandemie ist noch gar nicht so lange her: Die Corona-Pandemie von 2019-2023. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung konnte in der Zeit schnell reagieren und frühzeitig Daten sammeln und diese in die Daten des Sozio-oekonomischen Panels einbinden. So sind nun beispielsweise Daten vorhanden, wie sich Personen in der ersten Zeit der Pandemie verhalten haben oder wie sie auf den Lockdown reagierten. Die Daten liegen also vor.
Nun braucht es die Zusammenarbeit von transdisziplinären Perspektiven und Expertisen. Daher arbeitet Prof. Dr. Sabine Zinn am Leibniz Lab Pandemic Preparedness mit Disziplinen wie der Virologie, Ökonomie oder Bildungsforschung zusammen. Expertise und Daten – das klingt erstmal gut. Aber wie genau kann uns das nun als Gesellschaft in solchen Krisen helfen? Wie werden Empfehlungen für die Politik und Gesundheit erarbeitet? Prof. Dr. Sabine Zinn erklärt, dass beispielsweise Einsamkeit ein großes Problem während der letzten Pandemie war. Aus dieser Beobachtung lernen wir als Gesellschaft, dass die soziale Einbindung ein wichtiger Faktor ist, den es in Zeiten einer Pandemie zu berücksichtigen gibt und das Anlaufstellen dafür geboten werden müssen.
Das Stichwort: Resilienz
Die Menschen aber auch unser System, in dem wir leben, brauchen eine gewisse Widerstandsfähigkeit gegenüber Krisen. Das Stichwort hierzu ist Resilienz: Die Fähigkeit mit belastenden Schwierigkeiten, Stress oder Rückschlägen umzugehen und sich davon zu erholen. Das spiegelt sich auch im Sozio-oekonomischen Panel wieder.
Es werden Informationen gesammelt, wie Menschen in Krisensituationen reagieren werden – aber auch, wie gut diese ökonomisch abgesichert sind. Verliert beispielsweise eine Person ihren Job, aber hat Ersparnisse, dann trifft ein Jobverlust diese weniger stark. Prof. Dr. Zinn erinnert uns aber auch: Neben dem Makroschock von Krisen von außen, wie Pandemien oder Kriege, gibt es auch persönliche Krisen, wie der Verlust eines geliebten Menschen oder des Eigenheims. Auch hierfür ist Resilienz nötig, um mit diesen Situationen umzugehen.
Das Sozio-oekonomische Panel des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung hilft dem Leibniz Lab Pandemic Preparedness Effekte von Krisen zu untersuchen, um aufzuzeigen wo Unterstützung notwendig ist – notwendig, um ein eine resiliente Zukunft zu ermöglichen.
Axel Langner ist Kommunikator am Leibniz Lab und hat einen Hintergrund in den Life Sciences und der Bildungsforschung.
Philipp Kohlhöfer leitet die Kommunikation des Leibniz Labs und ist Autor des Bestsellers „Pandemien“