Wissen, das wirkt
Wie die Leibniz Labs den Austausch zwischen Forschung und Gesellschaft neu denken
Während der Diskussion hören die Besucher aufmerksam zu.
© Axel Langner
In Berlin ist die Transfer-Initiative der Leibniz-Gemeinschaft in eine neue Phase gestartet. Mit dabei: der designierte Präsident Prof. Dr. Christoph M. Schmidt – und die drei Leibniz Labs, die zeigen, wie Wissenstransfer besser gelingt.
Wie kann wissenschaftliches Wissen dorthin gelangen, wo es gebraucht wird – in politische Entscheidungen, gesellschaftliche Debatten und konkrete Krisenreaktionen? Das ist die Ausgangsfrage der Auftaktveranstaltung der Leibniz Labs Transfertagung am 21. Mai in Berlin.
Die Veranstaltung in der Hörsaalruine des ehemaligen Pathologischen Museums auf dem Gelände der Charité markiert den Beginn einer neuen Phase innerhalb der Leibniz-Gemeinschaft. In ihr soll Transfer gezielt gestärkt werden. Und so wirft der Beamer während der Begrüßung durch Prof. Dr. Sebastian Lentz, Vizepräsident der Leibniz-Gemeinschaft eine Frage an die Wand: „Vor welchen Herausforderungen steht der Wissenstransfer in Zeiten multipler Krisen und zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung?“
Ein Rahmen, der einzigartig ist
Im Gespräch: Unser Co-Sprecher Dr. Michael Stolpe in der Hörsaalruine an der Charité in Berlin.
In der Diskussion wird betont: Transfer ist unverzichtbar, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse Wirkung entfalten sollen. Schließlich wird es in einer zunehmend polarisierten Öffentlichkeit für wissenschaftliche Institutionen immer wichtiger, allerdings auch immer schwieriger, als glaubwürdige und transparente Akteure wahrgenommen zu werden. Die Leibniz Labs verstehen sich als Plattform, die wissenschaftliche Expertise mit gesellschaftlichem Bedarf verbindet.
Wissenstransfer ist kein Selbstzweck
Aber so relevant der Transfergedanke ist: In der Praxis findet bislang noch unzureichend Transfer statt. Und genau hier setzt die Initiative der Leibniz Labs an. Im Leibniz Lab Pandemic Preparedness liegt ein Schwerpunkt auf pandemieresiliente Schulen. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler nicht nur fachlich vorzubereiten, sondern ihnen durch die Stärkung von Wissenskompetenzen Orientierung und Handlungssicherheit im Umgang mit Krisen zu vermitteln. Wissen soll Unsicherheit reduzieren und Selbstwirksamkeit stärken.
Der designierte Präsident Christoph M. Schmidt während der Präsentation des Labs Pandemic Preparedness.
Ein zentraler Ansatz ist dabei die enge Zusammenarbeit mit Praxispartnern. Gemeinsam mit Schulen werden Inhalte entwickelt, erprobt und weitergedacht, im Austausch zwischen Disziplinen, Institutionen und gesellschaftlichen Akteuren. Diese Form der Ko-Kreation macht Transfer nicht zu einem nachgelagerten Schritt, sondern zu einem integralen Bestandteil des Forschungsprozesses – in Augenhöhe mit den Stakeholdern.
Die Transfertagung am 9. Oktober
Die geplante Transfertagung unseres Leibniz Labs Pandemic Preparedness am 9. Oktober, ebenfalls in Berlin, steht daher unter dem Motto: „Strengthening Resilience of Future Generations in Europe“.
Seit Monaten kooperiert die Ida Ehre Schule in Hamburg mit unserem Lab – mittlerweile sind andere Schulen dazugekommen. Schülerinnen und Schüler der Ida Ehre Schule werden in Berlin anwesend sein, und von ihren Erfahrungen erzählen.
Mit den Schülern reden, nicht über sie: Ko-Kreation könnte die Zukunft der Wissenschaftskommunikation sein.
Wissen entsteht so nicht isoliert im Labor oder am Schreibtisch, sondern im Dialog mit denjenigen, die es anwenden. Letztlich geht es dabei um Vertrauen in die Wissenschaft, was wiederum den gesellschaftlichen Zusammenhalt in Krisen stärkt. Aber wenn freie Gesellschaften bedroht sind, dann ist auch die Wissenschaft in ihrem Kern bedroht – weil nur demokratische Prinzipien Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor Zensur schützen. Und so ist die Herstellung von Vertrauen durch Ko-Kreation kein Selbstzweck, sondern Notwendigkeit.
Ko-Kreation als Notwendigkeit
Die anschließende Podiumsdiskussion geht darauf direkt ein. Ihr Thema: „Forschung mit und für die Gesellschaft stärken“. Neben Christoph M. Schmidt diskutierten Prof. Dr. Karin Jacobs, Vizepräsidentin der Deutschen Forschungsgemeinschaft, und Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Vizepräsidentin der Helmholtz-Gemeinschaft. Alle beteiligten Akteure sind sich einig: Wissenschaft soll nicht nur Erkenntnisse gewinnen und vermitteln, sondern gesellschaftliche Wirkung entfalten. Dafür braucht es mehr als gute Kommunikation. Transfer erfordert strukturelle Veränderungen – neue Anreizsysteme, langfristige Kooperationen und Räume für echte Zusammenarbeit. Denn obwohl Transfer bislang oft nicht ausreichend honoriert wird, ist er entscheidend, um wissenschaftliches Wissen wirksam werden zu lassen.
Gülsah Gabriel, Sprecherin des Leibniz Lab Pandemic Preparedness, spricht über die Vorteile von Ko-Kreation.