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Treffen der Kommunikatoren

Leibniz kommuniziert

Die Veranstaltung war gut besucht – und zeigte, wie wichtig sie ist.    

Beim Treffen des Arbeitskreises Kommunikation (AK) der Leibniz-Gemeinschaft in Frankfurt am Main kamen knapp 80 Kommunikationsverantwortliche aus der gesamten Leibniz-Gemeinschaft zusammen.

Einmal im Jahr trifft sich der AK Kommunikation für zwei Tage bei einem gastgebenden Leibniz-Institut. Diesmal: beim Leibniz-Institut für Friedens- und Konfliktforschung (PRIF) in Frankfurt am Main. Eine Keynote zum Thema „Spannungsfeld Wissenschaft vs. Haltung“ eröffnete das Treffen – und war weniger kontrovers als man vermutet hätte.

Kernthese nämlich: Haltung stört beim Forschen.

Die These, dass eine klare Haltung der „sauberen“ wissenschaftlichen Analyse im Weg stehen könne, stand in einem gewissen Spannungsverhältnis zu einem der Workshops. Titel: „Wissenschaft verteidigen. Wie gehen wir mit demokratiegefährdenden und extremistischen Kräften um?“ Gehalten wurde der von Hendrik Schneider, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) und Sprecher des Arbeitskreises. Ausgangspunkt war ein Szenario, das längst nicht mehr abstrakt ist: eine mögliche Regierungsübernahme der AfD im Herbst in Sachsen-Anhalt. Da Wissenschaft in Deutschland Ländersache ist, wären Forschungseinrichtungen vermutlich in besonderem Maße politischer Einflussnahme ausgesetzt.

Die angeboteten Workshops und Barcamps wurden überwiegend gut abgenommen. 

Dass Regierungsübernahme und politische Einflussnahme mittlerweile ein Szenario ist, das für manche Institute existenzbedrohend werden könnte, zeigt ein AfD-Antrag im September 2025 (Drucksache 8/1750). Darin wird gefordert, die „Förderung des Potsdam-Institutes für Klimafolgenforschung (PIK) durch das Land Brandenburg einzustellen“. Der Antrag wurde im Landtag zwar mit den Stimmen aller anderen Fraktionen (SPD, CDU, BSW) abgelehnt, aber die Richtung ist klar.

Was soll noch passieren?

Dennoch: Parallele Workshops und Barcamps, etwa zur Nutzung von KI in der Wissenschaftskommunikation, waren teilweise sehr viel stärker besucht. Einerseits verständlich, weil andere Dinge konkreter in den Arbeitsalltag eingreifen, andererseits: Was soll noch passieren? Laut Wissenschaftsbarometer haben nur 54 Prozent der Deutschen hohes Vertrauen in die Wissenschaft.

Dabei ist eben das stark vom Bildungsstand abhängig. Während 72 Prozent der Befragten mit höherer formaler Bildung der Wissenschaft vertrauen, sind es bei niedrigerem Bildungsstand nur 38 Prozent. Die Anknüpfungspunkte für extremistische Angriffe sind also durchaus vorhanden.

An dieser Stelle ein Disclaimer: Ich habe den Workshop „Wissenschaft verteidigen“ moderiert – und habe diesbezüglich selbstverständlich eine Meinung. Wenn (rechts)populistische Akteure in Regierungsverantwortung gelangen und beginnen, Mittel zu kürzen oder Institutionen umzubauen, kann Wissenschaftskommunikation nicht neutral bleiben. Objektivität in der Analyse schließt eine normative Einordnung ihrer gesellschaftlichen Bedeutung nicht aus. Allerdings kann man das auch anders sehen und so bleibt die Frage, ob eine klare Positionierung ein Risiko ist – oder der wirksamste Schutz für Wissenschaft.

Hendrik Schneider stellte verschiedene Wege des Umgangs vor. 

Christian Schafmeister vom Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben brachte dazu konkrete Erfahrungen ein. Er berichtete von Begegnungen mit AfD-Vertretern und machte deutlich, wie schnell wissenschaftliche Arbeit politisch instrumentalisiert oder infrage gestellt werden kann.

Hendrik Schneider stellte dazu Handlungsfelder in der Praxis vor, von der Organisation von Veranstaltungen, über Social Media und interner Personalpolitik, bis hin zu Politik und Kommunikation. Die zentralen Herausforderungen: Desinformation, politischer Druck, persönliche Angriffe und institutionelle Störungen. Sein Credo: Wissenschaft ist weniger verwundbar, wenn sie vorbereitet ist. Daher müsse man Prozesse härten, wo immer es gehe.

Eine Chance für die Kommunikation

Im Workshop wurde intensiv diskutiert, welche Strategien unter solchen Bedingungen tragfähig sind. Die Antworten darauf gingen auseinander. Während einige Teilnehmende davor warnten, durch zu deutliche Haltung angreifbar zu werden oder politische Konflikte zu verschärfen, argumentierten andere, dass genau diese Zurückhaltung langfristig gefährlicher sein könnte.

Wissenschaft und Demokratie sind zwei Seiten einer Medaille – muss man nur im Grundgesetz nachsehen. 

Für die Wissenschaftskommunikation kann das dennoch eine Chance sein. Denn wo Wissenschaft sich nicht erklärt und verteidigt, entsteht Raum für Narrative, die ihre Legitimität untergraben und missdeutet werden können.

Wie nötig Erklärung ist, zeigt das Beispiel des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, ein Forschungsmuseum der Leibniz-Gemeinschaft. Immer wieder werde das Museum als Hintergrund bei Demonstrationen und Veranstaltungen (national)extremistischer Akteure genutzt, sagte Sonja Missfeldt, Pressesprecherin des Museums. Dabei ist das das Gegenteil der Idee, die das Museum vertritt. Prominent auf der Webseite steht der Satz: „Europäische Kultur lebte schon immer von Austausch. Sie ist wie ein Spiegel antiker, byzantinischer, arabischer und asiatischer Kultur.“ 

Kommunikation ist immer politisch

Wissenschaft lässt sich daher nicht allein durch institutionelle Mechanismen schützen. Sie ist darauf angewiesen, dass die Gesellschaft ihren Wert versteht und bereit ist, ihn zu verteidigen. Kommunikation wird damit zwangsläufig politisch – nicht im parteipolitischen Sinne, sondern als aktiver Beitrag zur Stabilisierung demokratischer Strukturen.

Im Zentrum standen und stehen Fragen, die weit über klassische Wissenschaftskommunikation hinausgehen: Wie umgehen mit demokratiegefährdenden, extremistischen und wissenschaftsfeindlichen Akteuren? Und welche Rolle kann und muss Kommunikation in solchen Situationen einnehmen?

Die Diskussion in Frankfurt hat gezeigt, wie groß die Unsicherheit in diesem Feld ist – aber auch, wie dringend eine gemeinsame Verständigung darüber gebraucht wird. Denn die Frage ist nicht, ob Wissenschaft politisch ist, denn auch das Plädoyer für keine Haltung ist eine Haltung. Die Frage ist vielmehr, wie bewusst und reflektiert sie mit dieser Realität umgeht.

Philipp Kohlhöfer
Philipp Kohlhöfer
Philipp Kohlhöfer leitet die Kommunikation des Leibniz Labs und ist Autor des Bestsellers „Pandemien“.
Veröffentlicht
06. Juli 2026
Kategorie
Stories
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