Kann die Vogelgrippe die nächste Pandemie auslösen?
Frauen auf einem Hühnermarkt in Xining, Hauptstadt der Provinz Qinghai.
Neue Pandemiestämme können von Influenza-A-Viren stammen, die in Tieren zirkulieren. Das war etwa bei der Asiatischen Grippe 1957, der Hongkong-Grippe 1968 und 2009 bei der Schweinegrippe der Fall – und könnte theoretisch auch mit H5N1 passieren, dem umgangssprachlich „Vogelgrippe“ genannten Virus. Aber zwangsläufig ist das nicht: Die überwiegende Zahl von Zoonosen führt nicht zu Pandemien, denn die Übertragung zwischen menschlichen Wirten stellt ein großes Hindernis für deren Auftreten da. So einfach ist das nämlich nicht.
Alles gut also? Das nun auch wieder nicht. Der Ausbruch von H5N1 bei Rindern in den USA hat ein enormes Potential für Infektionen beim Menschen geschaffen. Infizierte wildlebende Wasservögel haben den Erreger mittlerweile global verbreitet. Die Artenbarriere zu Säugetieren ist nicht nur bei Rindern übersprungen, vor über zwei Jahrzehnten waren bereits Menschen infiziert. Aber was heißt das nun?
In unserem Q&A findet ihr alles, was ihr Wissen müsst.
„Vogelgrippe“ und „Geflügelpest“ sind die umgangssprachlichen Ausdrücke für das hochpathogene aviäre Influenzavirus H5N1. In Öffentlichkeit und Medien werden so Infektionserreger von Wildvögeln und Tieren aus Geflügel-Tierhaltung beschrieben. Die Aviäre Influenza (AIV), oder eben die „Vogelgrippe“, ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung der Vögel. Wildlebende Wasservögel sind das natürliche Erregerreservoir.
Je nach Tierart und Virusstamm starben in Experimenten bis zu achtzig Prozent, manchmal sogar alle der infizierten Vögel. Für domestiziertes Geflügel wie Hühner, Puten und auch (Zucht)enten ist das Virus fast immer tödlich. Aufgrund mangelnder Überwachung sind die Sterbezahlen in freier Wildbahn nur zu schätzen, liegen aber vermutlich nur wenig unter diesen Zahlen. In Polen lag die durchschnittliche Sterblichkeit in Kolonien der Lachmöwe 2023 in einzelnen Kolonien bei fast achtzig Prozent und in den Niederlanden starben während einzelner Ausbrüche knapp die Hälfte aller Wanderfalken. Besonders Koloniebrüter und Arten, die in großen Gruppen leben, sind durch das hochpathogene Virus gefährdet.
Auf der einen Seite gibt es stark krankmachende aviäre Influenzaviren, also hochpathogene aviäre Viren, abgekürzt: HPAIV (Highly Pathogenic Avian Influenza A Virus). Auf der anderen Seite niedrigpathogene Viren. Sie machen nicht besonders schwer krank und werden LPAIV abgekürzt (Low Pathogenic Avain Influenza A Virus). Die Unterscheidung bezieht sich auf den Schweregrad der Erkrankung bei Vögeln. Hochpathogen sind einige Varianten der Subtypen H5 und H7. Sie sind für Vögel hochansteckend. Anderen Subtypen dagegen bleiben meist ohne gravierende Auswirkungen. Niedrigpathogene Varianten des aviären Influenzavirus können sich allerdings durch Mutationen im rezeptorbindenden Protein, dem sogenannten Hämagglutinin, zu hochpathogenen Varianten entwickeln.
Dieses Bild entsteht, wenn die KI sich vorstellt, dass ein krankes Huhn von einem Arzt untersucht wird. In der Realität werden die Tiere getötet, um die Seuche einzudämmen: Alleine in den USA 166 Millionen in den letzten drei Jahren.
Die ständige Verwendung des umgangssprachlichen Wortes in den Medien suggeriert, dass das Virus sich ausschließlich unter Vögeln verbreitet und die Artenbarriere zu Säugetieren, darunter auch Menschen, nicht überschritten wird. So wird unter Umständen ein falsches Sicherheitsgefühl verbreitet.
Nein. Die Vogelgrippe wurde 1878 erstmals in Italien beobachtet. Das hochpathogene Vogelgrippevirus H5Nx trat erstmals 1996 auf und zirkuliert seither weltweit in Wildvogelpopulationen. H5N1 erschien 1997 in Hongkong erstmals auf der Bildfläche. Bereits damals sprang das Virus auf Menschen über: Es kam zu 18 Infektionen, darunter sechs Todesfällen. Um den Ausbruch einzudämmen, wurden anderthalb Millionen Hühner getötet.
Die ursprünglichen H5N1-Stämme hatten eine Todesrate bei Menschen von fast 50 Prozent. Zwischen 2003 und Dezember 2024 gab es weltweit 954 menschliche Infektionen in 24 Ländern von denen 464 tödlich endeten. Das steht in starkem Kontrast zu den neueren Fällen. Dort erkrankten die Patienten oft nur an Bindehautentzündungen - was möglicherweise daran liegt, dass der dort zirkulierende Genotyp vier seiner acht Gensegmente von nordamerikanischen niedrigpathogenen Vogelgrippeviren ableitet.
Bisher hat das Virus zudem noch nicht die Fähigkeit entwickelt, sich unter Menschen zu verbreiten. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch hat also bisher nicht stattgefunden. Auch die Übertragung von Vogel zu Mensch ist nicht sehr effektiv. Der Subtyp (A)H5N1 ist schlecht an den Menschen angepasst. In Europa gab es noch keine einzige Erkrankung. Zwar ist Influenza besser als jedes andere Virus in der Lage, seine Wirtsarten zu wechseln, aber das ist dennoch nichts, was für das Virus besonders einfach ist. Die Mehrheit der „Spillover”-Infektionen der Vogelgrippe auf den Menschen sind einmalige Ereignisse.
Das große Auditorium bei der 10ten ESWI Influenza-Konferenz im Palacio des Congressos in Valencia im Oktober kurz bevor die ersten Teilnehmer eintreffen.
Bisher gibt es keine Mensch-zu-Mensch Ansteckung von H5N1. Alle Patienten hatten Kontakt zu Tieren. Um ein Beispiel zu geben: Von den 46 Patienten, die sich von März bis Oktober 2024 in den USA ansteckten, hatten zwanzig Kontakt zu infiziertem Geflügel, 25 hatten Kontakt zu infizierten oder vermutlich infizierten Milchkühen und bei einem Patienten konnte kein Kontakt festgestellt werden. Das Durchschnittsalter der Patienten mit Kontakt zu Tieren lag bei 34 Jahren. Niemand wurde ins Krankenhaus eingeliefert, keiner starb. Fast alle, 93 Prozent, hatten eine Bindehautentzündung, nur ein knappes Drittel hatte Atemwegsbeschwerden.
Laboruntersuchungen deuten darauf hin, dass leichte Infektionen bei Menschen vor der Ausbreitung der aktuellen Linie selten waren. Aber in den USA grassiert das Virus auch unter Rindern. Dieser Ausbruch hat ein enormes Potential für Infektionen beim Menschen. Schließlich erhöht er die Wahrscheinlichkeit des Kontaktes zwischen Mensch und Tier. Das H5N1-Virus bei Rindern unterscheidet sich von früheren H5N1-Viren durch das Vorhandensein von Mutationen, die dem Virus die Anpassung an Säugetiere erleichtern.
Im Winter 2024 erkrankte ein 13jähriges Mädchen in Kanada so schwer, das sie nur mithilfe einer ECMO überlebte. Wo sie sich ansteckte, ist nicht geklärt.
Die ECMO ist eine Maschine, die nur bei Herz- und/ oder Lungenversagen eingesetzt wird und die das Blut von Patienten außerhalb des Körpers mit Sauerstoff anreichert und Kohlendioxid entfernt. Auch bei ihr begannen die Symptome mit einer Bindehautentzündung. Knapp eine Woche nach Krankheitsbeginn wurde ein Isolat aus den unteren Atemwegen des Mädchens entnommen. Die Untersuchung zeigte drei neue Mutationen, die möglicherweise mit einer erhöhten Virulenz und einer besseren Anpassung an den Menschen in Verbindung stehen. Unklar ist allerdings, ob diese Mutationen erst im Verlauf der Erkrankung der Patientin auftraten, also in ihrem Körper und mit ihrer Heilung keine Gefahr mehr darstellen, oder im infizierenden Virus vorhanden waren. Im letztem Fall wären sie bereits irgendwo in der Umgebung.
Influenza A Viren kommen neben Vögeln in mehreren anderen Arten vor, Rinder sind nur eine davon. Bislang hat die derzeit zirkulierenden Variante des H5N1-Virus, Klade 2.3.4.4b, 28 Säugetierarten infiziert, unter anderem Haus- und Nutztiere wie Katzen, Pferde, Hunde und Ziegen – was die Schnittstelle zum Menschen verbreitert. Infiziert sind darüber hinaus etwa Füchse, Dachse, Nerze und Marder, aber auch Seehunde und Seelöwen. So sind dem Virus sogar im Südatlantik, in Südgeorgien, 2000 Kilometer östlich der Südspitze Argentiniens, Tausende Seeelefanten zum Opfer gefallen. Vermutet wird gar, dass die Population geschlechtsreifer weiblicher Seeelefanten auf der Inselgruppe zwischen 2022 und 2024 um fast die Hälfe zurückgegangen sein könnte. Die stark dezimierte Zahl dürfte negative Auswirkungen auf die Stabilität der Gesamtpopulation haben.
Auf der ESWI Influenza-Konferenz in Valencia war H5N1 eines der großen Themen.
Anfang 2024 wurde erstmals eine Influenza-A-Infektion bei Milchkühen in Texas festgestellt. Wie das Virus auf Rinder übertragen wurde, ist nicht bekannt. Möglich ist eine direkte Übertragung durch Wildvögel. Es könnte aber auch einen zwischengeschalteten Wirt gegeben haben. Die Hauptvermehrung des Virus findet in der Milchdrüse statt. Im Euter und in der Milch findet man eine hohe Viruslast. Die Übertragung erfolgt so vor allem über Melkmaschinen, kontaminierte Ausrüstung und den Kontakt mit infizierter Rohmilch, nicht primär über die Atemwege.
Darüber hinaus kann das Virus aber auch in Atemwegen und dem Verdauungstrakt nachgewiesen werden, teils auch bei klinisch unauffälligen Tieren. Eine unbemerkte Weiterverbreitung in Herden wird so begünstigt. Dennoch: bezüglich der Effizienz der Ausbreitung und der Frage, ob zuvor infizierte Tiere erneut infiziert werden können, bestehen bisher erhebliche Wissenslücken.
Die Sterblichkeit unter Kühen ist bei einer Infektion mit der aktuell zirkulierenden Virusklade 2.3.4.4b gering, der wirtschaftliche Schaden aber immens. Die Milchproduktion geht deutlich zurück, wobei die Milch gelblich, dickflüssig oder verklumpt ist – und zudem aus einem Euter kommt, der oft schwere, nekrotisierenden Entzündungen aufweist. Viele Kühe haben Fieber, leiden unter Appetitlosigkeit und reduziertem Wiederkäuen und sind lethargisch.
Die Schwere der Erkrankung anderer Tiere hängt von der Tierart und der Viruslast ab. Meist kommt es zu schweren neurologischen und respiratorischen Erkrankungen, etwa Koordinationsstörungen, Lähmungen, Zittern, Desorientierung und Verhaltensänderungen wie Aggressivität und einer fehlenden Fluchtreaktion. Pathologisch werden oft schwere Entzündungen des Gehirns und Schädigung des zentralen Nervensystems festgestellt.
Die H5N1-Klade 2.3.4.4b zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass sie zum ersten Mal in der Lage ist, viele unterschiedliche Säuger zu infizieren. Zuvor war das nicht der Fall.
Auch in den kleineren Räume im Kongreßzentrum der spanischen Stadt fanden viele Workshops statt.
Ja. Gene von saisonalen Influenza-A-Viren, die gut an Menschen angepasst sind, sich also im menschlichem Atemtrakt leicht vermehren und von Mensch zu Mensch übertragen werden, können sich mit Genen von nicht-menschlichen Stämmen vermischen, Reassortierung genannt. So kann ein Virus entstehen, das für das menschliche Immunsystem neuartig ist. Das bekannteste Beispiel ist die Spanische Grippe, die zwischen 1918 und 1920, je nach Schätzung, bis zu 100 Millionen Menschen getötet hat. Es wird vermutet, dass ein Schwein in Kansas mit menschlichen und Vogelgrippeviren infiziert war, wodurch sich die Viren neu mischten.
Nicht unbedingt. Es ist nicht bekannt, ob H5N1 vor oder nach der Anpassung an den Menschen eine nachhaltige Übertragung bei Schweinen erreichen kann. Unklar ist außerdem, ob die neue Kombination von Influenza-Viren in Schweinen zu neuen Stämmen führt, die fit genug sind, um sich bei Schweinen zu verbreiten und auch auf den Menschen überzuspringen. Aber: Schweine sind natürliche Wirte für Influenza-A-Viren. Verschiedene Subtypen, die von menschlichen und Vogelgrippeviren stammen, zirkulieren in kommerziellen Schweinebeständen. H5N1 bislang jedoch nicht.
Die Ausbreitung des Virus auf Schweine würde aber das Potential für eine Koinfektion und einen genetischen Austausch schaffen. Diese Situation würde ein höheres Pandemierisiko darstellen, als es zurzeit gegeben ist. Wie hoch das Risiko ist, ist jedoch unklar.
Jede Infektion stellt eine Gelegenheit für das Virus dar sich weiterzuentwickeln. Wenn H5N1 sich in einer Herde von fünf Millionen Vögeln oder gar Kühen ausbreitet, gibt es fünf Millionen Chancen zu mutieren und so möglicherweise eine bessere Anpassung an den Menschen bzw. Ausbreitung im Menschen zu erreichen, etwa von der Infektion des Auges zu einer Infektion der Lunge. Die Ausbrüche bei Rindern und anderen Säugetieren zeigen, das H5N1 seine Wirtsbreite erweitert. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit von Spillover- Ereignissen und erschwert die Kontrolle.
Nachgewiesen wurde, dass Hauskatzen, die mit nicht-pasteurisierter Milch von betroffenen Kühen gefüttert wurden, an einer Influenza-Infektion starben. Rohmilch ist vermutlich eine wichtige Übertragungsquelle von Kühen auf Milchviehhalter. Möglicherweise kann durch den Verzehr von rohen Milchprodukten und Rohmilch, das Virus auch auf den Menschen übertragen werden.
Es gibt keine Hinweise auf eine Übertragung durch pasteurisierte Milch oder durch gekochte Lebensmittel. In pasteurisierter Milch wurden zwar Virusfragmente gefunden, aber keine infektiösen Viren. Pasteurisierung inaktiviert H5N1 zuverlässig. Die überwiegende Anzahl menschlicher Infektionen kommt von direktem Kontakt zu infizierten Tieren oder Rohmilch.
In Deutschland gibt es bisher keine dokumentierte Infektion mit H5N1 bei Menschen. Seit 2020 kommt es aber zu regelmäßigen Ausbrüchen bei Wildvögeln und Geflügel, unter anderem haben Greifvögel wie Seeadler zum Teil hohe Verluste. Der Schwerpunkt der Ausbrüche liegt bisher in Norddeutschland. Auch die Artenbarriere ist in Deutschland übersprungen: 2023 wurden erstmals H5N1-Infektionen bei Füchsen nachgewiesen. Im November desselben Jahres tauchte die neue hochpathogene Klade 2.3.4.4b auf und verdrängte den niedrigpathogenen Vorläufer.
Ja und Nein. Es gibt Impfstoffe, die auf älteren H5N1-Stämmen basieren. Ihre Wirksamkeit gegen die aktuell zirkulierenden H5N1-Stämme ist begrenzt, zudem sind sie nicht für die allgemeine Anwendung zugelassen, sondern werden in den USA und der EU als Notfallreserve für den Pandemiefall eingelagert. Neue Impfstoffkandidaten werden derzeit entwickelt, sie basieren unter anderem auch auf der mRNA-Technik. Saisonale Grippeimpfungen bieten keinen ausreichenden Schutz.
Allerdings wird die Impfung gegen die saisonale Infuenza dennoch empfohlen, um sich vor einer möglichen Doppelinfektion zu schützen. Die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Reassortierung wird so reduziert.
Auch für Tiere gilt: Ja und Nein. Für Geflügel sind verschiedene Impfstoffe verfügbar, die gegen verschiedene Kladen und auch H5N8 wirken und teils Erfolgsquoten von einhundert Prozent erreichen. Es gibt verschiedene Plattformen, also Träger des Impfstoffes: Etwa inaktivierte Impfstoffe, mRNA- und DNA-Impfstoffe und VLPs (Virus-like Particel), das sind nicht-infektiöse Hüllen, die die Struktur von Viren nachahmen, aber kein genetisches Material enthalten. Impfstoffe bei Säugetieren basieren meist auf Tiermodellen im Labor. Dort bieten verschiedene Vakzine Schutz gegen H5N1. Groß angelegte Feldstudien fehlen allerdings bisher. Impfstoffe für Rinder sind aktuell in der Entwicklung.
Impfungen sind aber keine praktikable Strategie, um alle Wildtiere zu schützen, die für Vogelgrippe anfällig sind – es ist schlicht nicht möglich, sie alle zu erreichen. Ist die Population klein, ist eine Impfung allerdings erfolgsversprechend. 2023 wurden etwa Kalifornische Kondore geimpft, die durch das Virus vom Aussterben bedroht waren. Mittlerweile ist auch damit begonnen worden, Vogelgrippe-Impfstoffe an kleinen Populationen von Meeressäuger zu testen, die enorme Verluste erlitten haben– so etwa bei Seeelefanten und Mönchsrobben.
H5N5 ist genau wie H5N1 ein Subtyp der Vogelgrippe, der in Wildvögeln vorkommt und in letzter Zeit auch in Nutzgeflügel nachgewiesen wurde.
Der mittlerweile verstorbene Patient litt unter schweren grippeähnlichen Symptomen wie Atemnot und hohem Fieber. Er hielt Geflügel im Hinterhof, das Kontakt mit Wildvögeln hatte, so dass er sich auf diesem Weg infiziert haben könnte. H5N5 kommt bei Wildvögeln auf der ganzen Welt vor, es ist relativ häufig. Dies ist jedoch das erste Mal, dass ein H5N5-Influenzavirus einen Menschen infiziert hat. Bisher gibt es allerdings keine Anzeichen, dass dieser Fall mehr ist als ein Einzelfall.
Aufgrund verschiedener Oberflächenantigene werden Influenza-Viren in Subtypen unterteilt, eben H und N – was für Hämagglutinin (HA) und Neuraminidase (NA) steht. Es sind die beiden wichtigsten Eiweiße auf der Hülle des Influenzavirus.
Mit H und N wird der genaue Typ des Virus klassifiziert. Bei Vögeln kommen bisher 16 Hämagglutinin- und 9 Neuraminidase-Subtypen vor. Als Folge von Genveränderungen und Austausch von genetischem Material entstehen ständig neue Virusvarianten. Die Vogelgrippeviren H5N1 und H5N5 etwa unterschieden sich deutlich voneinander, haben aber die gleichen H-Proteine, jedoch N-Proteine unterschiedlicher Subtypen.
Das Virus muss durch Überwachung, Stallhaltung des Geflügels, Erhöhung der Biosicherheit in landwirtschaftlichen Betrieben und als letztes Mittel durch die Massentötung infizierter Tiere bekämpft werden.
Der One Health-Ansatz, den das Leibniz Lab Pandemic Preparedness verfolgt, erkennt an, dass die Gesundheit von Menschen, Tieren und Pflanzen eng miteinander verbunden und voneinander abhängig ist. Es ist ein integrierter und integrierender Ansatz. Aus diesem Grund fördert „One Health“ die Zusammenarbeit zwischen Human- und Veterinärmedizin, Umwelt- und Lebenswissenschaften wie etwa Bioinformatik. Die Idee: Komplexe Gesundheitsprobleme wie Zoonosen, Antibiotikaresistenzen und Erregerveränderungen durch Umweltwandel können nur gemeinsam angegangen und gelöst werden. Eine Veränderung in einem Bereich hat so direkte Auswirkungen auf andere Bereiche und kann nur durch koordinierte Maßnahmen und nachhaltige Praktiken verbessert werden – dazu gehören nicht nur medizinische Maßnahmen, sondern auch politische und gesellschaftliche.
Keine gute Idee. In den USA gibt es den Vorschlag, vertreten unter anderem durch Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr., dass man das Virus einfach durch die Populationen laufen lassen könnte. Der Plan dahinter: Herausfinden, welche Tiere immun sind und mit ihnen weiterzüchten. Jede Infektion ist allerdings eine weitere Gelegenheit für das Virus sich zu einer virulenteren und für Menschen gefährlicheren Form zu entwickeln - gerade dann, wenn sich Menschen vermehrt anstecken würden, was in ein solchen Fall wahrscheinlich wäre.
Die Idee setzt zudem voraus, dass ein Teil der Geflügelpopulation von Natur aus immun gegen die Vogelgrippe sein könnte, was vermutlich nicht der Fall ist. Und selbst wenn: Diese Vögel wären möglicherweise nur gegen die aktuelle Version von H5N1 geschützt, nicht aber gegen andere, die im Zuge der Evolution des Virus entstehen könnten – die schneller geht, je mehr Tiere infiziert sind. Auch wirtschaftlich wäre nichts gewonnen, da nicht nur die toten Tiere Kosten verursachen, sondern auch eventuell Überlebende aufgrund von Biosicherheitsbestimmungen nicht weiterverkauft werden können.
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